Halbtagsschule und Verzicht auf Nachmittagsbetreuung: in Deutschland noch immer der Regelfall
Nur jedes neunte Kind (11%) im Alter von 8 bis 11 Jahren geht in den alten Bundesländern in eine Ganztagsschule. In den neuen Bundesländern trifft dies schon auf jedes fünfte Kind (22%) zu. Auch lässt sich ein Stadt-Land-Gefälle feststellen. Kinder aus Ballungsräumen befinden sich deutlich häufiger an Ganztagsschulen (24%) als Kinder aus dem ländlichen Raum (11%) oder dem Umland von Städten (7%). Kinder aus den unteren bis mittleren Schichten sind momentan leicht überrepräsentiert, Kinder mit Migrationshintergrund hingegen weniger häufig vertreten (11%).
Es hängt vom Konzept und von der Ausgestaltung ab, auf welche Akzeptanz die Ganztagsschule bei Kindern stößt. Die Mehrheit der Kinder wünscht sich Sport oder kreative Aktivitäten für den Nachmittagsunterricht. Ganztagsunterricht ja, aber nur nicht zuviel Schule! Für die Halbtagsschule sprechen sich Jungen häufiger aus als Mädchen. Es fällt insgesamt auf, das Mädchen an den Schulen offenbar besser zurechtkommen. Sie beziehen sich positiver auf Schule, bezeichnen sich im Vergleich zu den Jungen deutlich häufiger als gute Schüler und erscheinen eher interessiert an den verschiedenen möglichen Angeboten im Rahmen einer Ganztagsschule. Ein ehrgeizigeres Bildungsziel ist hingegen in dieser Altersgruppe bei Mädchen noch nicht feststellbar.
Die Debatte um die Ganztagsschule in Deutschland sollte daher stärker als bisher um die Sichtweise und die Bedürfnisse der Kinder erweitert werden. Die Ergebnisse der 1. World Vision Kinderstudie sprechen dafür, dass die Mitbestimmungsmöglichkeiten von Kindern in der Schule nach wie vor nicht hinreichend entwickelt sind.
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