Klimawandel und Armut
Seit den im Jahr 2007 veröffentlichten Berichten des Weltklimarates (IPCC) gibt es keinen Zweifel mehr: Die Klimaerwärmung ist in vollem Gang. Die Fakten liegen auf dem Tisch. Die Fakten sind überwältigend. Sie sind nicht mehr zu leugnen. Die Klimaerwärmung ist da, sie ist fortgeschritten, und sie ist nicht aufzuhalten. Und: sie ist von Menschen gemacht.
Betrug die Klimaerwärmung in den letzten 100 Jahren (von 1906 bis 2006) insgesamt 0,74˚C, so rechnet man für die Zukunft mit einer Erwärmung von mindestens 0,2˚C pro Dekade, was mindestens 2 Grad Celsius bis zum Ende des Jahrhunderts ausmachen würde. Wie genau sich die Erwärmung in diesem Jahrhundert tatsächlich gestalten wird, hängt natürlich vom weiteren Ausstoß der Treibhausgase bzw. von der zukünftigen Politik zu ihrer Verringerung ab. Deshalb schwanken die Prognosen je nach Szenarium zwischen 1,8˚C und 6,4˚C für dieses Jahrhundert.
Schon ein Anstieg um 1 bis 1,5˚C wird dazu führen, dass Wirbelstürme, Überflutungen, Dürren und Waldbrände überhand nehmen werden. Die Zahl der Toten wird uns (wie im Falle Birmas) immer wieder überwältigen. Immer häufiger werden wir humanitäre Hilfe leisten müssen, was wiederum zu größeren Abhängigkeiten und zur Aushöhlung der wirtschaftlichen Fortschritte führen wird.
Experten befürchten, dass ein Temperaturanstieg von über 2˚C zu einer Destabilisierung des Klimas und zu einer unkontrollierten globalen Erwärmung führen könnte, die dann auch nicht mehr durch eine Senkung von Treibhausgasen aufgehalten werden kann. Die große ökologische Herausforderung ist deshalb, wie wir einen Temperaturanstieg von über 2˚C verhindern können. Leider ist es so, dass die gegenwärtigen Trends bei den Emissionen einen globalen Temperaturanstieg von weit mehr als 2˚C befürchten lassen.
Was hat die Klimaerwärmung mit der Armutsbekämpfung zu tun? Zunächst: zwei Tatsachen lassen sich überhaupt nicht leugnen:
- Die Armen sind weit weniger an der Verursachung der Treibhauseffekte beteiligt als die Reichen, denen die Hauptschuld für die Klimaerwärmung zugeschrieben werden muss. Und:
- Es sind die Armen, die am meisten unter den Folgen der bevorstehenden Klimakatastrophe(n) zu leiden haben werden.
Überdies können sich die industrialisierten Länder eher gegen die Folgen schützen als die Entwicklungsländer. Deshalb haben die wohlhabenden Staaten eine doppelte moralische Verpflichtung: ihre eigenen Anstrengungen zum Schutz der Umwelt zu verstärken und gleichzeitig den Armen beim Umweltschutz und bei der Bekämpfung ihrer Armut zu helfen.
Experten sehen drei große Herausforderungen, mit denen sich die Weltgemeinschaft in Bezug auf die Klimaerwärmung konfrontiert sieht:
- Wie kann man die zunehmende globale Erwärmung aufhalten und vielleicht sogar umkehren?
- Wie kann man mit der globalen Erwärmung, die auch bei einer drastischen Reduzierung von Treibhausgasen nicht mehr aufzuhalten ist, verantwortungsvoll umgehen? Und:
- Wie kann man menschliche Entwicklung so gestalten, dass sie einerseits umweltfreundlicher wird und andererseits die verfügbaren Ressourcen gerechter verteilt?
Armut führt dazu, dass die von ihr betroffenen Menschen den Naturkatastrophen nicht nur leichter und hilfloser ausgesetzt sind (weil sie etwa in katastrophen-anfälligen Gegenden wie in Flussdeltas leben müssen), sondern auch weit schlimmere Folgen zu tragen haben als dies in den reichen Ländern der Fall wäre. „The impact of a natural disaster is anything but natural“, heißt es im Oxfam-Bericht „Climate Alarm“. (S. 10) Die Auswirkungen von Naturkatastrophen sind alles andere als natürlich. Sie sind ein Ergebnis der besonderen Gefährdung bedürftiger, ungeschützter und uninformierter Menschen.
Hier finden Sie weitere Informationen und Hintergrundmaterialien zum Thema „Klimawandel und Armut“:
Bewertung des "Copenhagen Accord"
PlanetPrepare_Preparing Coastal Communities for Future Disasters.pdf
Climate Change Threats to Health 
, Part 3 (PDF)
World Vision Position on Climate Change October 2007.pdf