Was heißt Kinderpartizipation?


Partizipation bedeutet, dass Kinder und Jugendliche ihre eigene Meinung frei äußern und an Entscheidungen, die ihre Lebenswelten betreffen, aktiv teilhaben. Das Recht des Kindes auf Partizipation ist durch die UN-Kinderrechtskonvention fest im Völkerrecht verankert. Um dem Gesamtziel der UN-Kinderrechtskonvention näher zu kommen, sehen Kinderrechtsorganisationen und andere Experten jedoch noch großen Handlungsbedarf bei der Realisierung der Beteiligungsrechte der Kinder (insbesondere Artikel 12, 13, 17).

Der Kindeswille bzw. die Beteiligung des Kindes an Entscheidungen dient dem Zweck, dessen Sichtweise kennenzulernen und zu berücksichtigen sowie dem Kind schrittweise Verantwortung für Entscheidungen näher zu bringen. Den Eltern kommt in diesem Zusammenhang die Hauptpflicht zu, ihre Kinder miteinzubeziehen und zur gleichen Zeit zu schützen. Jörg Maywald betont in Bezug auf die UN-Kinderrechtskonvention: „Die Berücksichtigung des Kindeswillens als bedeutsamer Teilaspekt des Kindeswohls bedeutet nicht, dass die Entscheidung durch den kindlichen Willen allein bestimmt wird“ (2012, S. 105; Hervorhebung hinzugefügt).

In diversen Kinderstudien, in denen Kinder aus Deutschland befragt wurden, unter anderem in den World Vision Kinderstudien und den LBS-Kinderbarometern, zeigt sich ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Gefühl der Kinder, ernst genommen zu werden, und ihrem Wohlbefinden im Allgemeinen, in der Familie, in ihrer Wohngegend und in der Schule: Je höher das eine, desto ausgeprägter auch das andere – oder umgekehrt.

Die folgende Grafik zeigt, welche Mechanismen hinter Kinder- und Jugendpartizipation stecken:
Kinder- und Jugendbeteiligung (Quelle: https://www.ijab.de/fileadmin/user_upload/documents/PDFs/Dokumentationen_Konzepte/Dt-Ung-Fachprogramm_Fachartikel.pdf)  





















 





„Davon ausgehend, dass Jugendbeteiligung nicht (immer) von allein wächst, also das Pflänzchen gegossen werden muss, stellt sich die Frage, in welche der drei Röhren Energie fließt. Unter „Energie“ ist hier vor allem das Handeln der Erwachsenen zu verstehen. […]
Auf dem Bild sind kleine rote Riegel abgebildet. Dabei handelt es sich um (Ab-)Sperrventile, die den Durchfluss regeln oder stoppen. Diese setzen wir Erwachsene. […] Andere Sperrriegel sind mittelbar
o die Nichtanerkennung der Kompetenzen – „Das schaffst du nicht!“
o die Nichtanerkennung von Eigenverantwortung – „Das darfst du noch nicht!“
o oder, am schlimmsten, die wohlmeinende Hilfe „Warte, das mach ich schnell für dich!“ (Roeder, Carsten. Beteiligung Jugendlicher durch Aktionen, Verantwortungsübertragung und Kompetenzerwerb, in: Partizipation Jugendlicher auf lokaler Ebene, 2010.)